Markus Breitscheidel

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern
Start

Deutsches Theater Berlin

E-Mail Drucken PDF

Auszug aus dem Spielplan, Deutsches Theater Berlin

Aufführung 22.10.2011


Arm durch Arbeit

Nach einem Undercover-Bericht
von Markus Breitscheidel

Die Zeit kommt, da drängt sich auf uns alle eine Gewitterwand zu, es braut sich ein gesunder, starker Sturm zusammen, der auf uns zukommt, der schon nah ist und von unserer Gesellschaft alles wegbläst alle Faulheit, Gleichgültigkeit, alle Vorurteile gegen die Arbeit, alle träge Langeweile. Ich werde arbeiten, aber in fünfundzwanzig, dreißig Jahren wird bereits jeder Mensch arbeiten. Jeder!
Anton Tschechow ‚Drei Schwestern’

Markus Breitscheidel arbeitete ein Jahr undercover in unterschiedlichen Jobs. In seiner Rolle als ungelernter Hilfsarbeiter musste er alle von der Arbeitsagentur vermittelten Tätigkeiten annehmen. Aus dieser Expedition ist ein aufrüttelnder Report über das Leben am Existenzlimit entstanden.

Der Autor berichtet, wie er als arbeitsloser Hartz-IV-Empfänger und Leiharbeiter stigmatisiert, gemobbt und als Mensch zweiter Klasse behandelt wurde. Trotz Vollzeitarbeit reichte sein Lohn nicht zum Leben. Er war auf zusätzliche staatliche Unterstützung und karitative Einrichtungen wie Speisetafeln und Kleiderkammern angewiesen. In seinem erschütternden Bericht analysiert er die persönlichen und ökonomischen Auswirkungen der Billiglohnpolitik: Die Arbeiter und ihre Familien verlieren den Kampf gegen den sozialen Abstieg, während die Unternehmen immer größere Gewinne einfahren.

+++ 661.200 Menschen arbeiten in Deutschland als Leiharbeiter, davon 542.151 Männer und 189.001 Frauen +++ Es gibt 10.000 Zeitarbeitsfirmen in Deutschland +++ Rund 2,7 Millionen Menschen haben befristete Arbeit +++ Etwa 50 % der Zeitarbeiter sind nur drei Monate lang beschäftigt +++ Der Inlandsumsatz der fünf größten Personaldienstleister liegt bei über 3,2 Milliarden Euro +++ Die Übernahmequote der Leiharbeiter in die Stammbelegschaft liegt nicht bei erhofften etwa 30 %, sondern lediglich bei etwa 7 % +++ Zum 1. Mai 2011 soll ein Mindestlohn für Zeitarbeit in Höhe von 7,60 € (West) bzw. 6,75 € (Ost) eingeführt werden +++ Leiharbeitskräfte verdienten im Schnitt nicht einmal halb so viel (45,7 %) wie Vollzeitbeschäftigte im verarbeitenden Gewerbe. +++ Gut 60 % der Verleihkräfte haben einen Berufsabschluss +++ 10,5 % aller vollzeitbeschäftigten Leiharbeitskräfte verdienen weniger als 1.000 € brutto im Monat, im Osten sogar ein doppelt so hoher Anteil (21 %) +++ Von Mitte 2009 bis Mitte 2010 stiegt der Anteil der auf Hartz IV angewiesenen Leiharbeitskräfte um 60 % +++

Regie Brit Bartkowiak
Bühne Nikolaus Frinke
Kostüme Carolin Schogs
Dramaturgie Ulrich Beck
Regieassistenz Sarah Wenzinger
Ausstattungshospitanz Sibel Bakkalar, Chantal Kirch

Mit Andreas Döhler und Barbara Heynen

Aufführungsrechte Ullstein Buchverlage GmbH

Mit freundlicher Unterstützung von spiel.zeit Personaldienstleistungen (Raphaela Möst, Tilman Rose, Jakob Walser)
Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 06. September 2011 um 13:21 Uhr